Die Küche ist und bleibt das Herz des Hauses – auch im Alter.
Doch mit den Jahren verändern sich Kraft, Beweglichkeit, Sehvermögen und Koordination. Eine klug geplante, seniorengerechte Küche sorgt dafür, dass der Alltag angenehm, sicher und selbstbestimmt bleibt – und dabei modern aussieht.
Was ist wirklich wichtig? Welche Ausstattung lohnt sich? Und worauf kann man getrost verzichten?
1. Warum seniorengerechte Küchenplanung so wichtig ist
Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes verbringt die Generation 65+ rund ein Drittel ihres Tages in Küche und Essbereich – sei es zum Kochen, Teetrinken oder Zeitunglesen.
Gerade deshalb ist eine funktionelle, ergonomische und sichere Küche ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und Selbstständigkeit.
Doch im Alltag zeigen sich oft die Tücken:
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Schwere Pfannen werden zu einer Herausforderung,
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der Backofen ganz unten zwingt zum Bücken,
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Lichtschalter liegen zu hoch oder Steckdosen zu tief.
Hier hilft vorausschauende Planung.
Seniorengerechtes Design heißt: nicht weniger Komfort, sondern mehr Sicherheit, Übersicht und Freude an der Bewegung.
Leitlinie:
Nach DIN 18040-2 („Barrierefreies Bauen – Wohnungen“) sollen alle Bereiche einer Wohnung – auch die Küche – barrierefrei zugänglich und bedienbar sein, unabhängig von körperlichen Einschränkungen.
2. Ergonomie – Alles auf Griffhöhe
Ergonomische Küchenplanung bedeutet, Wege zu verkürzen und Bewegungen zu erleichtern.
Die häufigsten Handgriffe sollten sich in einem Radius zwischen Hüfte und Schulter abspielen.
✅ Empfohlene Ausstattung:
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Auszugssysteme statt Schranktüren:
Kein tiefes Bücken, keine toten Winkel – Vollauszüge mit Dämpfung bieten Komfort und Übersicht.
→ Beispiel: Einbau-Abfallsammler Double Man Deluxe oder EKKO.20-System. -
Hochgebaute Geräte:
Backofen und Geschirrspüler auf Augenhöhe reduzieren Unfallrisiken und schonen den Rücken. -
Schubladen mit Ordnungssystemen:
Der Besteckeinsatz Comfort sorgt für Struktur und Übersichtlichkeit. -
Absenkbare Oberschränke oder Relingsysteme:
Ideal bei eingeschränkter Reichweite. -
Großzügige Arbeitsflächen:
Mindestens 60 cm Tiefe und 90 cm Höhe – für Sitzarbeit anpassbar.
⚠️ Zu vermeiden:
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Ecklösungen ohne Auszug oder Karussell
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Geräte direkt am Boden (Backofen, Kühltruhe)
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Hohe Hängeschränke ohne Hilfssystem
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Glatte, blendende Fronten
3. Sicherheit geht vor – die wichtigsten Vorkehrungen
Unfälle in der Küche passieren meist durch Rutschen, Verbrennen oder Stolpern. Dabei lässt sich das Risiko mit wenigen Anpassungen deutlich senken.
Tipps für maximale Sicherheit:
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Rutschfester Boden:
Vinyl oder Kork sind ideal – sie sind weich, trittsicher und gelenkschonend. -
Beleuchtung mit Bewegungssensor:
Z. B. durch Unterbauleuchten (Bright II oder Derby II Emotion), die sich beim Betreten automatisch einschalten. -
Abgerundete Kanten & stabile Möbel:
Minimieren Verletzungsgefahr. -
Rutschhemmende Teppiche oder Anti-Rutsch-Matten:
Nur dort, wo sie sicher liegen (z. B. vor der Spüle). -
Sicherheitsarmaturen:
Mit Heißwassersperre oder Einhandmischhebel – ideal für Menschen mit Arthrose.
Deine Traumküche-Tipp:
Steckdosenleisten wie die Energie-Ecksäule ST3007/2-c oder die EVOline Port Push bieten Komfort und Sicherheit zugleich – kein Bücken, kein Kabelsalat.
4. Beleuchtung – Sehen und Wohlfühlen
Mit zunehmendem Alter braucht das Auge bis zu viermal mehr Licht als in jungen Jahren.
Eine durchdachte Lichtplanung ist daher unverzichtbar.
Empfohlene Lichtzonen:
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Grundbeleuchtung:
Decken- oder Wandleuchten mit gleichmäßigem, warmweißem Licht (2700–3000 K). -
Arbeitszonenbeleuchtung:
Direktes, blendfreies Licht über Arbeitsplatte und Spüle.
→ Planar Small oder Bright II LED-Unterbauleuchte sind hier ideal. -
Akzentbeleuchtung:
Sanfte Lichtstreifen oder Spots schaffen Atmosphäre und Orientierung – hilfreich bei nächtlichem Aufstehen.
Farbtemperatur-Tipp:
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Warmweiß (2700–3000 K) = gemütlich
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Neutralweiß (4000 K) = klar, aktivierend
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Kaltweiß (>5000 K) = zu grell, besser vermeiden
Extra-Tipp:
Dimmbare Emotion-Steuerungen (z. B. Zigbee24.S15) ermöglichen, Lichtfarbe und Helligkeit individuell anzupassen – ideal für Senioren mit empfindlichen Augen.
5. Farben, Materialien & psychologische Wirkung
Farbe wirkt – auch auf die Stimmung.
Gerade in der Küche sind warme, natürliche Töne wie Creme, Vanille, Holz und Pastellgrün besonders beliebt, weil sie Geborgenheit und Ruhe vermitteln.
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Helle Fronten verbessern Sichtbarkeit und Orientierung.
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Matte Oberflächen verhindern Blendeffekte.
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Griffe statt Griffmulden bieten mehr Halt.
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Naturmaterialien (Holz, Stein, Keramik) wirken haptisch angenehm.
Eine gute Kombination aus Licht, Farbe und Material kann das Wohlbefinden stark steigern – und die Küche zu einem Ort der Ruhe und Freude machen.
6. Sitzmöglichkeiten & Bewegungsfreiheit
Ergonomisches Arbeiten bedeutet auch: Bewegung mit Pausen kombinieren.
Ein kleiner Tisch oder ein Sitzplatz mit Lehne ist Gold wert – sowohl für kurze Vorbereitungen als auch zum gemütlichen Essen.
Empfohlene Maße:
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Bewegungsfläche vor Geräten: mind. 120 cm
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Wendefläche: 150 × 150 cm (Rollstuhlgeeignet)
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Arbeitsplattenhöhe: 75–90 cm, je nach Körpergröße
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Unterfahrbare Arbeitsbereiche: mind. 70 cm Höhe, 60 cm Tiefe
Ein klappbarer Hocker, eine kleine Anrichte oder ein mobiler Rolltisch bieten zusätzliche Flexibilität – besonders bei kleinen Küchen.
7. Nachrüstung bestehender Küchen
Nicht jede Küche muss komplett neu geplant werden.
Viele Verbesserungen lassen sich auch nachrüsten – kostengünstig und effizient.
Praktische Nachrüstideen:
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Austausch normaler Schranktüren gegen Vollauszüge
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Nachrüstung von LED-Unterbauleuchten für bessere Sicht
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Installation einer Energie-Ecksäule oder Steckdosenleiste auf Arbeitsflächenhöhe
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Anbringen von Anti-Rutsch-Matten in Schubladen
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Montage eines Sockelsaugers SES10 zur leichten Bodenreinigung
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Verwendung von besteckfreundlichen Einsätzen für mehr Ordnung
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Installation eines Türkontaktschalters, der automatisch Licht einschaltet
Diese Maßnahmen verlängern die Nutzbarkeit einer bestehenden Küche um viele Jahre – und erhöhen Komfort und Sicherheit.
8. Fördermittel & finanzielle Unterstützung
Viele Menschen wissen nicht, dass es für die Umgestaltung einer seniorengerechten Küche staatliche Förderprogramme gibt.
Mögliche Zuschüsse:
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KfW-Programm 455-B („Altersgerecht Umbauen“)
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Zuschuss bis zu 6.250 € pro Wohnung
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Förderfähig: Umbauten für Barrierefreiheit, bessere Erreichbarkeit, Sicherheit
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Pflegekasse (§ 40 SGB XI):
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Bis zu 4.000 € Zuschuss bei anerkannter Pflegestufe
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Beispiel: Erhöhung von Arbeitsflächen, Beleuchtung, Anti-Rutsch-Maßnahmen
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Regionale Programme oder Krankenkassen-Zuschüsse
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z. B. bei Unfallprävention, Sturzvermeidung, technische Hilfen
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Tipp: Vor Beginn der Umbaumaßnahmen sollte immer ein Kostenvoranschlag eingeholt und die Förderung vor Baubeginn beantragt werden.
9. Was überflüssig ist – und warum
Nicht alles, was modern wirkt, ist alltagstauglich für Senior:innen.
| Überflüssig / hinderlich | Warum |
|---|---|
| Hochglanzfronten | Blendgefahr, Fingerabdrücke |
| Offene Regale | Staub, unruhiges Gesamtbild |
| App-gesteuerte Geräte | komplizierte Bedienung |
| Touch-Displays ohne Tasten | schlecht für Arthrose-Patient:innen |
| Übermäßige Dekoration | schränkt Bewegungsfreiheit ein |
Faustregel:
Alles, was man nur mit Fingerspitzengefühl bedienen kann, ist im Alter hinderlich.
10. Checkliste – ist deine Küche seniorengerecht?
✅ Arbeitsflächenhöhe: angepasst an Körpergröße
✅ Auszüge & Schubladen: statt tiefer Schränke
✅ Rutschfester Boden: vorhanden
✅ Licht: hell, blendfrei, gut verteilt
✅ Steckdosen: in Griffhöhe
✅ Geräte: leicht erreichbar
✅ Griffe: stabil, gut greifbar
✅ Platz: mindestens 120 cm Bewegungsfreiheit
Wenn mehr als drei Punkte fehlen → lohnt sich eine Umgestaltung oder Teilsanierung.
11. Fazit – Lebensqualität fängt in der Küche an
Eine seniorengerechte Küche bedeutet Selbstständigkeit, Sicherheit und Freude.
Sie sorgt dafür, dass man auch im Alter unabhängig bleibt – und weiterhin Spaß am Kochen hat.
Deine Traumküche sagt:
„Gute Küchen wachsen mit – sie passen sich dem Leben an, nicht umgekehrt.“
Ob durch neue Auszüge, bessere Beleuchtung oder kleine Hilfssysteme – jede Maßnahme zählt.
Denn wo gekocht, gelacht und gemeinsam gegessen wird, bleibt Lebensqualität lebendig.