IP-Schutzarten bei Unterbauleuchten – was in der Küche wirklich wichtig ist

In der Küche treffen Beleuchtung, Wasserdampf, Fett und je nach Einbauort auch Wasserspritzer aufeinander. Deshalb lohnt sich bei Anbau- und Unterbauleuchten ein Blick auf die sogenannte IP-Schutzart. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was die Kennzeichnung bedeutet und warum immer der konkrete Einsatzort und die Herstellerfreigabe entscheidend sind.

Bei Unterbauleuchten achten viele zuerst auf Design, Lichtfarbe oder Helligkeit.

Doch gerade in der Küche spielt ein weiterer Punkt eine wichtige Rolle: Ist die ausgewählte Leuchte für den vorgesehenen Einbauort geeignet?

Beim Kochen entsteht Wasserdampf, an der Spüle können Wasserspritzer auftreten und in der Nähe des Kochfeldes kommen Wärme sowie Fettablagerungen hinzu.

Die sogenannte IP-Schutzart liefert Informationen darüber, welchen Schutz ein Gehäuse gegenüber dem Eindringen von festen Fremdkörpern und Wasser bietet. Für Leuchten gelten dabei produktspezifische Prüfanforderungen nach DIN EN 60598-1; der grundsätzliche IP-Code wird über DIN EN 60529 beschrieben.

Was bedeutet IP?

IP steht für Ingress Protection.

Auf die Buchstaben folgen normalerweise zwei Kennziffern, beispielsweise:

IP20
oder
IP44

Vereinfacht gilt:

  • Die erste Kennziffer beschreibt den Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper beziehungsweise den Berührungsschutz.

  • Die zweite Kennziffer beschreibt den Schutz gegen das Eindringen von Wasser.

Die IP-Kennzeichnung sagt damit etwas über bestimmte äußere Einflüsse aus, aber nicht pauschal darüber, ob eine Leuchte für jeden beliebigen Einsatzort geeignet ist.

Was bedeutet IP20?

Bei IP20 steht die erste Kennziffer für einen definierten Schutz gegenüber festen Fremdkörpern beziehungsweise Berührung.

Die zweite Kennziffer „0“ bedeutet, dass kein besonderer Wasserschutz über die IP-Kennzeichnung ausgewiesen ist.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Leuchte mit IP20 grundsätzlich nicht in einer Küche verwendet werden darf.

Entscheidend sind:

  • der konkrete Montageort

  • die vorgesehenen Umgebungsbedingungen

  • die Herstellerangaben

  • die Installationsart

Eine trockene Arbeitsfläche ist anders zu bewerten als ein Bereich, in dem regelmäßig mit Spritzwasser zu rechnen ist.

Was bedeutet IP44?

Bei IP44 beschreibt die zweite Kennziffer „4“ einen Schutz gegen Spritzwasser.

Das bedeutet allerdings nicht, dass für jede Leuchte in der Nähe einer Küchenspüle automatisch IP44 vorgeschrieben wäre.

Anders als beispielsweise im Badezimmer mit seinen definierten Schutzbereichen gibt es für normale Küchen keine einfache pauschale Regel nach dem Muster:

„Bis zu einem bestimmten Abstand von der Spüle ist immer IP44 erforderlich.“

Maßgeblich sind vielmehr die konkrete Einbausituation, die zu erwartende Beanspruchung und die Vorgaben des Herstellers.

Die Küche besteht aus unterschiedlichen Bereichen

Eine Küche sollte bei der Beleuchtungsplanung nicht als einheitlicher Raum betrachtet werden.

Trockene Vorbereitungsfläche

Über einer normalen Arbeitsfläche ohne zu erwartende Wasserbelastung bestehen andere Anforderungen als unmittelbar an Bereichen, in denen mit Wasserspritzern gerechnet werden muss.

Bereich rund um die Spüle

Hier können je nach Nutzung Wasserspritzer auftreten.

Die eingesetzte Leuchte sollte deshalb für den jeweiligen Einbauort ausdrücklich geeignet sein.

Dabei ist nicht allein der Abstand zur Spüle entscheidend, sondern die tatsächliche Beanspruchung.

Bereich rund um das Kochfeld

Hier können unter anderem auftreten:

  • Wasserdampf

  • Fettpartikel

  • erhöhte Temperaturen

Deshalb sind auch hier die Einbau- und Montagehinweise des Herstellers wichtig.

Wasserdampf und Spritzwasser sind nicht dasselbe

Wasserdampf beim Kochen und direkt auftreffendes Spritzwasser stellen unterschiedliche Belastungen dar.

Die IP-Schutzart beschreibt definierte Prüfbedingungen gegenüber Wasser.

Sie sollte deshalb nicht allgemein mit Begriffen wie „feuchtigkeitsbeständig“ oder „küchentauglich“ gleichgesetzt werden.

Bei einer Küche müssen zusätzlich weitere Einflüsse berücksichtigt werden, beispielsweise:

  • Wärme

  • Fett

  • Reinigungsmittel

  • Montageposition

  • Belüftung

Die IP-Schutzart ist nur ein Teil der Produktauswahl

Eine hohe IP-Schutzart bedeutet nicht automatisch, dass eine Leuchte für jeden Einsatz in einer Küche geeignet ist.

Bei der Auswahl spielen ebenfalls eine Rolle:

  • Material

  • elektrische Ausführung

  • Montageart

  • zulässige Umgebungstemperatur

  • Abstand zu Wärmequellen

  • Reinigungsmöglichkeiten

  • Herstellerfreigabe

Die IP-Schutzart sollte deshalb immer zusammen mit der technischen Dokumentation des Produktes betrachtet werden.

Herstellerangaben sind entscheidend

Für Bright-, Planar-, Pad-, Pira- oder andere Unterbauleuchten sollte immer die Dokumentation des konkreten Modells berücksichtigt werden.

Auch ähnlich aussehende Leuchten können technisch unterschiedlich ausgeführt sein.

Wichtige Angaben können beispielsweise sein:

  • IP-Schutzart

  • zulässige Montageposition

  • Anschlussart

  • erforderliche Abstände

  • zulässige Umgebungstemperaturen

  • Hinweise zur Reinigung

  • vorgesehener Einsatzbereich

Diese Angaben sollten Vorrang vor allgemeinen Empfehlungen haben.

Schutzart und Schutzklasse sind nicht dasselbe

Die Begriffe Schutzart und Schutzklasse werden gelegentlich verwechselt.

Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Dinge.

Die IP-Schutzart gibt Informationen über den Schutz eines Gehäuses gegenüber bestimmten Fremdkörpern und Wasser.

Die elektrische Schutzklasse beschreibt dagegen Maßnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag.

Beide Angaben betreffen somit unterschiedliche Aspekte der elektrischen Sicherheit.

Eine höhere IP-Zahl ist nicht automatisch notwendig

Bei der Auswahl gilt nicht:

Je höher die IP-Kennzeichnung, desto besser für jede Küche.

Die Schutzart muss zum vorgesehenen Einsatz passen.

Eine Leuchte über einer trockenen Arbeitsfläche kann anderen Bedingungen ausgesetzt sein als eine Leuchte an einer Stelle, an der regelmäßig Wasserspritzer auftreten.

Das Ziel ist deshalb nicht die höchstmögliche Schutzart, sondern ein für den Einbauort geeignetes Produkt.

Diese Fragen helfen vor der Auswahl

Vor dem Kauf beziehungsweise der Montage einer Unterbauleuchte sollte geprüft werden:

  • Wo genau soll die Leuchte montiert werden?

  • Ist dort mit direktem Spritzwasser zu rechnen?

  • Befindet sich die Leuchte in der Nähe einer Wärmequelle?

  • Entsteht dort regelmäßig viel Wasserdampf?

  • Welche IP-Schutzart gibt der Hersteller an?

  • Ist der vorgesehene Einsatzbereich laut Hersteller zulässig?

  • Welche Montageart ist vorgeschrieben?

So lässt sich eine Leuchte wesentlich sicherer der jeweiligen Küchensituation zuordnen.

Keine eigenmächtigen Veränderungen an der Leuchte

Eine vorhandene Schutzart sollte nicht durch eigene Veränderungen vermeintlich „verbessert“ werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • zusätzliche selbst angebrachte Abdichtungen

  • Veränderungen am Gehäuse

  • eigenmächtiges Öffnen

  • Änderungen an Kabeldurchführungen

  • nicht vorgesehene Bauteile

Die angegebene IP-Schutzart bezieht sich auf die geprüfte beziehungsweise vorgesehene Produktausführung.

Für Leuchten bestehen spezielle Prüfanforderungen nach DIN EN 60598-1, unter anderem auch für die Beständigkeit gegen Staub, feste Fremdkörper und Wasser.

Arbeiten an der festen Elektroinstallation

Steckerfertige Leuchten können je nach Produkt für eine einfache Montage vorgesehen sein.

Sobald jedoch die feste elektrische Anlage verändert, erweitert oder neu angeschlossen werden muss, gelten strengere Anforderungen.

Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen entsprechende Arbeiten an der elektrischen Anlage grundsätzlich nur durch den Netzbetreiber oder ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen ausgeführt werden.

Wer unsicher ist, sollte die Installation deshalb durch einen entsprechenden Elektrofachbetrieb prüfen und ausführen lassen.

Besonders bei Feuchtigkeit nicht improvisieren

In Bereichen, in denen Wasser oder Feuchtigkeit eine Rolle spielen können, sollte bei der Installation nicht improvisiert werden.

Eine ungeeignete Leuchte wird nicht dadurch sicherer, dass sie nachträglich anders montiert oder provisorisch abgedichtet wird.

Im Zweifel sollte vor der Montage geklärt werden:

  • Ist dieses Modell für den Einsatzort vorgesehen?

  • Welche Schutzart besitzt es?

  • Welche Abstände verlangt der Hersteller?

  • Wie muss der elektrische Anschluss erfolgen?

Sicherheit und Komfort gemeinsam betrachten

Eine gute Unterbauleuchte soll:

  • die Arbeitsfläche sinnvoll ausleuchten

  • angenehm bedienbar sein

  • zur Küche passen

  • für den Montageort geeignet sein

  • fachgerecht angeschlossen sein

Die Entscheidung sollte deshalb nicht nur nach Aussehen oder Lichtleistung getroffen werden.

Gerade in Bereichen mit möglicher Feuchtigkeit gehört die technische Eignung genauso zur Planung wie das Licht selbst.

Fazit:

Die IP-Schutzart ist bei Anbau- und Unterbauleuchten ein wichtiger technischer Hinweis.

Sie beschreibt definierte Schutzeigenschaften eines Gehäuses gegenüber festen Fremdkörpern und Wasser.

Dabei gibt es jedoch keine pauschale Regel, nach der in jeder Küche oder automatisch in einem bestimmten Abstand zur Spüle eine bestimmte IP-Schutzart vorgeschrieben wäre.

Entscheidend sind immer der tatsächliche Einbauort, die dort zu erwartenden Belastungen und die technischen Vorgaben des jeweiligen Herstellers.

Wer bei Bright-, Planar-, Pad-, Pira- oder anderen Unterbauleuchten diese Punkte berücksichtigt und Arbeiten an der festen Elektroinstallation fachgerecht ausführen lässt, verbindet gutes Arbeitslicht mit einer technisch sinnvollen und sicheren Installation.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zur Küchenbeleuchtung und ersetzt keine individuelle Elektroplanung oder Beurteilung einer konkreten Einbausituation.

Maßgeblich sind immer die technischen Angaben, Montageanleitungen und Sicherheitshinweise des jeweiligen Herstellers sowie die für die konkrete Installation geltenden Vorschriften und anerkannten Regeln der Technik.

Arbeiten an der festen elektrischen Anlage sollten nicht in Eigenregie durchgeführt werden, sondern entsprechend den geltenden Anforderungen durch einen dafür qualifizierten beziehungsweise eingetragenen Fachbetrieb erfolgen.

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