Kollagen und Wechseljahre – Was Östrogen mit Haut und Bindegewebe zu tun hat

Viele Frauen bemerken während der Wechseljahre Veränderungen ihrer Haut: Sie wird trockener, verliert an Spannkraft oder wirkt plötzlich dünner. Dahinter steckt nicht nur das normale Älterwerden. Auch der sinkende Östrogenspiegel kann eine Rolle spielen. Doch was hat Östrogen mit Kollagen zu tun? Wir erklären verständlich, was sich rund um die Menopause verändert und worauf Frauen jetzt besonders achten können.

Wenn sich die Haut plötzlich anders anfühlt

Die Wechseljahre machen sich nicht nur durch Hitzewallungen oder einen unregelmäßigen Zyklus bemerkbar.

Manche Frauen stellen irgendwann vor dem Spiegel fest:

Meine Haut hat sich verändert.

Vielleicht fühlt sie sich trockener an.

Die gewohnte Gesichtscreme scheint plötzlich nicht mehr auszureichen.

Kleine Fältchen werden deutlicher oder die Haut wirkt weniger straff als noch vor einigen Jahren.

Natürlich gehört ein Teil davon zum normalen Älterwerden.

Doch während der Wechseljahre kommt noch etwas hinzu: Der Hormonhaushalt verändert sich – insbesondere der Östrogenspiegel.

Und Östrogen spielt auch für unsere Haut eine Rolle.

Was passiert eigentlich in den Wechseljahren?

Die Wechseljahre beginnen nicht von einem Tag auf den anderen.

Vielmehr handelt es sich um einen längeren Übergang, während dessen sich die Tätigkeit der Eierstöcke und damit die Produktion verschiedener Hormone verändert.

Besonders wichtig ist dabei Östrogen.

Die letzte Regelblutung wird als Menopause bezeichnet. Sie lässt sich erst rückblickend feststellen, wenn zwölf Monate lang keine weitere Monatsblutung aufgetreten ist.

Die Zeit davor und danach wird häufig unter dem Begriff Wechseljahre zusammengefasst.

Während dieser Phase kann der Östrogenspiegel erheblich schwanken und schließlich dauerhaft niedriger werden.

 

Was hat Östrogen mit unserer Haut zu tun?

Östrogen ist wesentlich mehr als ein Hormon für Zyklus und Fruchtbarkeit.

Auch unsere Haut reagiert darauf.

Unter anderem befinden sich Östrogenrezeptoren in verschiedenen Zellen der Haut.

Östrogen steht deshalb mit mehreren Eigenschaften unserer Haut in Verbindung.

Dazu gehören unter anderem:

  • Kollagenbildung und Kollagenstoffwechsel
  • Hautdicke
  • Feuchtigkeitsgehalt
  • Elastizität
  • Wundheilung

Sinkt der Östrogenspiegel während und nach der Menopause, können sich deshalb auch diese Eigenschaften verändern.

 

Und jetzt kommt Kollagen ins Spiel

Kollagen kennen wir inzwischen aus vielen Teilen unserer Serie.

Es ist ein wichtiges Strukturprotein und bildet einen wesentlichen Bestandteil des Gerüsts unserer Haut.

Kollagenfasern tragen dazu bei, der Haut Festigkeit und Struktur zu verleihen.

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Kollagenstoffwechsel ohnehin.

Der sinkende Östrogenspiegel rund um die Menopause kann diesen Prozess zusätzlich beeinflussen.

Das erklärt zumindest teilweise, warum manche Frauen gerade in dieser Lebensphase deutlichere Veränderungen ihrer Haut wahrnehmen.

Warum wird die Haut weniger straff?

Unsere Haut besteht nicht einfach aus einer glatten äußeren Hülle.

Unter der Oberfläche befindet sich ein komplexes Gerüst aus verschiedenen Strukturen.

Dazu gehören unter anderem Kollagenfasern und elastische Fasern.

Verändert sich dieses Gerüst, kann die Haut nach und nach:

  • dünner erscheinen
  • weniger elastisch wirken
  • an Spannkraft verlieren
  • stärker sichtbare Falten entwickeln

Wie deutlich das geschieht, ist allerdings individuell sehr unterschiedlich.

Nicht jede Frau erlebt dieselben Veränderungen zur selben Zeit.

Warum wird die Haut häufig trockener?

Eine weitere typische Beobachtung in den Wechseljahren ist trockene Haut.

Auch dabei geht es nicht ausschließlich um Kollagen.

Die hormonellen Veränderungen können verschiedene Eigenschaften der Haut beeinflussen, darunter ihren Feuchtigkeitsgehalt und ihre Barrierefunktion.

Eine Hautpflege, die mit 35 perfekt funktioniert hat, muss deshalb mit 50 nicht mehr unbedingt die richtige sein.

Die Haut kann sich plötzlich:

  • trockener
  • rauer
  • gespannter
  • empfindlicher

anfühlen.

Das ist kein Grund zur Panik.

Oft müssen lediglich die bisherigen Pflegeroutinen an die veränderten Bedürfnisse angepasst werden.

 

Braucht die Haut jetzt eine völlig neue Pflege?

Nicht unbedingt.

Vor allem muss Hautpflege nicht automatisch komplizierter oder teurer werden.

Bei trockener werdender Haut können bereits einige einfache Veränderungen helfen:

  • milder reinigen
  • sehr heißes Wasser vermeiden
  • ausreichend rückfettende oder feuchtigkeitsspendende Pflege verwenden
  • aggressive Peelings nicht übertreiben
  • die Haut nicht ständig mit neuen Wirkstoffen reizen

Und eine Maßnahme bleibt unabhängig vom Alter besonders wichtig:

Sonnenschutz.

Warum Sonnenschutz gerade jetzt wichtig bleibt

Hormone sind nur ein Faktor der Hautalterung.

Ein weiterer wichtiger Einfluss kommt von außen: UV-Strahlung.

Wer seine Haut über viele Jahre häufig intensiver Sonne aussetzt, beschleunigt damit lichtbedingte Alterungsprozesse.

Das kann sich unter anderem durch:

  • Falten
  • Pigmentveränderungen
  • ungleichmäßige Hautstruktur
  • Verlust an Elastizität

bemerkbar machen.

Deshalb gehört konsequenter UV-Schutz zu den sinnvollsten Maßnahmen, wenn die Haut möglichst lange gesund erhalten werden soll.

Keine Anti-Aging-Creme kann jahrelange intensive UV-Belastung einfach rückgängig machen.

Sind die Wechseljahre an jeder Falte schuld?

Nein.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Die Wechseljahre fallen in eine Lebensphase, in der gleichzeitig der normale Alterungsprozess weitergeht.

Wie unsere Haut mit 50 oder 60 aussieht, hängt von vielen Faktoren ab.

Dazu gehören:

  • Alter
  • Hormone
  • genetische Veranlagung
  • UV-Strahlung
  • Rauchen
  • Hautpflege
  • allgemeiner Lebensstil

Deshalb lässt sich später kaum sagen:

Diese Falte kommt vom Alter und jene vom Östrogenmangel.

Beides spielt zusammen.

Was verändert sich am Bindegewebe?

Kollagen befindet sich nicht nur in der sichtbaren Haut.

Es ist ein wichtiger Bestandteil vieler Bindegewebsstrukturen unseres Körpers.

Deshalb beschränkt sich die Frage nach Kollagen in den Wechseljahren nicht ausschließlich auf Falten.

Bindegewebe gibt verschiedenen Körperstrukturen Halt und verbindet sie miteinander.

Auch hier können Alter und hormonelle Veränderungen zusammenspielen.

Wie stark Frauen solche Veränderungen bemerken, ist wiederum sehr unterschiedlich.

 

Und was ist mit Knochen und Muskeln?

Östrogen spielt auch für den Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Nach der Menopause gewinnt deshalb die Knochengesundheit zusätzlich an Bedeutung.

Auch Muskelmasse und Muskelkraft sollten mit zunehmendem Alter nicht aus dem Blick geraten.

Beide Themen haben wir in unserer Kollagen-Serie bereits ausführlich behandelt.

Deshalb nur das Wichtigste:

Regelmäßige Bewegung und Krafttraining gehören gerade während und nach den Wechseljahren zu den sinnvollsten Gewohnheiten für den gesamten Bewegungsapparat.

Kann ich die Veränderungen durch Ernährung verhindern?

Die hormonelle Umstellung lässt sich nicht wegessen.

Auch das gesündeste Frühstück kann einen sinkenden Östrogenspiegel nicht verhindern.

Eine ausgewogene Ernährung bleibt natürlich wichtig – nicht nur für die Haut, sondern für den gesamten Körper.

Doch es braucht dafür keine spezielle „Menopause-Diät“.

Wer abwechslungsreich isst und regelmäßig Eiweißquellen, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und andere nährstoffreiche Lebensmittel einplant, schafft bereits eine gute Grundlage.

Unsere ausführlichen Ernährungstipps finden Sie in den entsprechenden Teilen unserer Kollagen-Serie.

 

Brauche ich jetzt Kollagenpulver?

Nicht automatisch.

Gerade Frauen in und nach den Wechseljahren gehören zu einer wichtigen Zielgruppe für Kollagenpulver und sogenannte Beauty-Drinks.

Kollagenpeptide werden tatsächlich wissenschaftlich untersucht. Dabei gibt es Untersuchungen, die mögliche Effekte bestimmter Produkte auf einzelne Hauteigenschaften zeigen.

Daraus folgt aber nicht, dass jede Frau Kollagenpulver benötigt.

Vor allem sollte klar sein:

Kollagenpulver ersetzt kein Östrogen.

Es kann die hormonelle Umstellung der Wechseljahre nicht rückgängig machen.

Und es ersetzt auch nicht Sonnenschutz, Bewegung oder eine ausgewogene Ernährung.

Wer ein Präparat ausprobieren möchte, kann dies individuell entscheiden. Notwendig ist es allein aufgrund der Wechseljahre nicht.

 

Und was ist mit einer Hormontherapie?

Eine menopausale Hormontherapie kann für Frauen mit bestimmten Wechseljahresbeschwerden eine Behandlungsmöglichkeit sein.

Dabei geht es beispielsweise um Beschwerden wie ausgeprägte Hitzewallungen oder Nachtschweiß.

Ob eine Hormontherapie sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und individuellen Risikofaktoren ab.

Sie sollte deshalb mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Wichtig für unser Thema:

Eine Hormontherapie sollte nicht einfach als Anti-Aging-Behandlung für schönere Haut betrachtet werden.

Dass Östrogen die Haut beeinflusst, macht Hormone nicht zu einem Beauty-Produkt.

Was können Frauen selbst tun?

Wir können die Wechseljahre nicht verhindern – und das müssen wir auch nicht.

Einige Faktoren können wir jedoch selbst beeinflussen.

Die Haut vor zu viel Sonne schützen

UV-Schutz gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren.

Nicht rauchen

Rauchen beschleunigt verschiedene Alterungsprozesse und belastet weit mehr als nur die Haut.

Die Hautpflege anpassen

Trockene Haut benötigt möglicherweise mehr Feuchtigkeit und rückfettende Pflege als früher.

In Bewegung bleiben

Bewegung ist besonders für Muskeln, Knochen und allgemeines Wohlbefinden wichtig.

Krafttraining nicht vergessen

Muskelkraft wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger.

Ausgewogen essen

Nicht wegen eines einzelnen Beauty-Nährstoffs, sondern um den gesamten Körper gut zu versorgen.

Auf den eigenen Körper achten

Nicht jede Veränderung muss behandelt werden. Neue oder ausgeprägte Beschwerden sollten jedoch auch nicht automatisch auf die Wechseljahre geschoben werden.

 

Was ist normal – und wann sollte ich zum Arzt?

Dass Haut trockener oder weniger elastisch wird, gehört häufig zu den normalen Veränderungen während des Älterwerdens und der Wechseljahre.

Doch nicht jedes neue Symptom ist automatisch hormonbedingt.

Medizinischer Rat ist beispielsweise sinnvoll bei:

  • ungewöhnlichen Blutungen
  • starken oder neu auftretenden Schmerzen
  • sehr belastenden Wechseljahresbeschwerden
  • ausgeprägten Schlafproblemen
  • auffälligen Hautveränderungen
  • Beschwerden, die den Alltag deutlich beeinträchtigen

Die Aussage „Das sind halt die Wechseljahre“ sollte nicht zur Erklärung für jedes gesundheitliche Problem werden.

 

Wechseljahre sind kein Kollagenmangel

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Die Wechseljahre sind keine Kollagenmangel-Erkrankung.

Es handelt sich um eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in der sich der Hormonhaushalt verändert.

Weil Östrogen verschiedene Prozesse in der Haut beeinflusst, kann sich dadurch auch der Kollagenstoffwechsel verändern.

Das bedeutet jedoch nicht:

Weniger Östrogen = einfach mehr Kollagen essen.

So funktioniert unser Körper nicht.

Und genau deshalb sollten vollmundige Werbeversprechen rund um Kollagen und Menopause mit etwas Abstand betrachtet werden.

Die 7 wichtigsten Punkte auf einen Blick

1. Östrogen beeinflusst die Haut.
Sinkende Östrogenspiegel können zu Veränderungen beitragen.

2. Kollagen ist ein wichtiger Bestandteil der Hautstruktur.
Sein Stoffwechsel verändert sich mit Alter und hormoneller Situation.

3. Trockene Haut ist in den Wechseljahren keine Seltenheit.
Die bisherige Hautpflege darf entsprechend angepasst werden.

4. Nicht jede Hautveränderung kommt von den Hormonen.
Alter, Sonne, Genetik und Lebensstil spielen ebenfalls eine Rolle.

5. Sonnenschutz bleibt eine der wichtigsten Maßnahmen.
UV-Strahlung ist ein beeinflussbarer Faktor der Hautalterung.

6. Kollagenpulver ist keine Pflicht.
Es kann insbesondere keinen sinkenden Östrogenspiegel ersetzen.

7. Wechseljahresbeschwerden müssen nicht einfach ausgehalten werden.
Bei stärkeren Beschwerden lohnt sich eine medizinische Beratung.

 

Fazit

Während der Wechseljahre verändert sich der Östrogenspiegel – und das kann sich auch an Haut und Bindegewebe bemerkbar machen.

Die Haut kann trockener werden, an Elastizität verlieren oder dünner erscheinen. Kollagen spielt dabei eine wichtige Rolle, denn es ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Struktur.

Trotzdem sollten wir nicht jede Veränderung ausschließlich den Hormonen zuschreiben. Auch der normale Alterungsprozess, UV-Strahlung, Rauchen, Genetik und der allgemeine Lebensstil beeinflussen unsere Haut.

Eine spezielle Wechseljahresdiät oder ein Kollagenpulver ist deshalb nicht die entscheidende Antwort.

Viel wichtiger sind die Grundlagen: Haut schützen, nicht rauchen, ausgewogen essen, in Bewegung bleiben und die Hautpflege an ihre neuen Bedürfnisse anpassen.

Und vielleicht ist noch etwas wichtig:

Die Wechseljahre sind keine Krankheit und kein Kollagenmangel, den wir reparieren müssen.

Sie sind eine natürliche Lebensphase – und wer versteht, was sich im Körper verändert, kann wesentlich gelassener und gezielter damit umgehen.

Über den Autor:
Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel