Schwitzen im Sommer – was normal ist und was wirklich gegen starken Schweiß hilft

Schwitzen ist im Sommer völlig normal und sogar lebenswichtig: Durch die Verdunstung von Schweiß schützt sich der Körper vor Überhitzung. Doch starkes Schwitzen, unangenehmer Körpergeruch und ständig feuchte Kleidung können belastend sein. Erfahren Sie, warum wir schwitzen, was dagegen hilft und wann ungewöhnlich starkes Schwitzen ärztlich abgeklärt werden sollte.

Kaum steigen die Temperaturen, beginnt der Körper zu schwitzen. Auf der Stirn bilden sich kleine Schweißperlen, das T-Shirt wird unter den Armen feucht und nach einem kurzen Spaziergang fühlt man sich bereits wieder reif für die Dusche.

So unangenehm das manchmal sein kann: Schwitzen ist keine Fehlfunktion des Körpers, sondern ein ausgeklügelter Schutzmechanismus.

Durch die Verdunstung von Schweiß auf der Haut kann Wärme abgegeben werden. Gerade an heißen Sommertagen hilft dieser Mechanismus dabei, die Körpertemperatur zu regulieren.

Wie stark jemand schwitzt, ist allerdings sehr unterschiedlich. Während manche Menschen selbst bei großer Hitze kaum sichtbaren Schweiß entwickeln, ist bei anderen schon nach wenigen Minuten die Kleidung feucht.

Doch wann ist Schwitzen noch normal? Was lässt sich im Alltag dagegen tun? Und wann kann starkes Schwitzen ein Hinweis darauf sein, dass eine medizinische Abklärung sinnvoll ist?

Warum schwitzen wir überhaupt?

Der menschliche Körper versucht, seine Temperatur innerhalb eines relativ engen Bereichs zu halten.

Steigt die Körpertemperatur beispielsweise durch:

  • hohe Außentemperaturen,
  • körperliche Aktivität,
  • Sport,
  • warme Kleidung oder
  • körperliche Anstrengung,

produzieren die Schweißdrüsen Flüssigkeit.

Diese gelangt auf die Hautoberfläche und kann dort verdunsten. Dabei wird dem Körper Wärme entzogen.

Schwitzen ist deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer natürlichen Temperaturregulation.

Warum schwitzen manche Menschen stärker als andere?

Wie schnell und wie stark jemand schwitzt, hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Dazu gehören unter anderem:

  • Außentemperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • körperliche Aktivität
  • Kleidung
  • individuelle Veranlagung
  • Körpergröße und Körperzusammensetzung
  • hormonelle Einflüsse
  • Stress und Aufregung
  • bestimmte Erkrankungen
  • einige Medikamente

Auch Gewöhnung spielt eine Rolle. Menschen, die regelmäßig hohen Temperaturen ausgesetzt sind oder körperlich trainieren, können anders auf Wärme reagieren als Menschen, die Hitze weniger gewohnt sind.

Ein direkter Vergleich mit anderen ist deshalb wenig hilfreich.

Warum riecht Schweiß?

Frischer Schweiß besteht überwiegend aus Wasser und ist zunächst weitgehend geruchsarm.

Der typische Schweißgeruch entsteht vor allem dann, wenn Bestandteile des Schweißes von Bakterien auf der Haut zersetzt werden.

Besonders deutlich kann das in Bereichen werden, in denen viele entsprechende Schweißdrüsen vorhanden sind, beispielsweise unter den Achseln.

Deshalb kann regelmäßige Körperhygiene helfen, unangenehmen Geruch zu reduzieren.

Duschen – aber nicht ständig aggressiv reinigen

An heißen Tagen ist eine zusätzliche Dusche angenehm.

Dabei muss die Haut jedoch nicht mehrmals täglich intensiv mit stark parfümierten oder aggressiven Reinigungsprodukten behandelt werden.

Häufig genügt eine kurze lauwarme Dusche mit einem milden Reinigungsprodukt.

Sehr heißes Wasser kann die Haut zusätzlich beanspruchen.

Nach dem Duschen besonders Hautfalten und Bereiche zwischen den Zehen sorgfältig trocknen.

Warum lauwarm manchmal angenehmer ist als eiskalt

Eine eiskalte Dusche klingt bei großer Hitze verlockend.

Für die tägliche Abkühlung ist extremes Kaltwasser jedoch nicht notwendig. Lauwarmes Wasser wird von vielen Menschen als angenehmer empfunden und belastet den Kreislauf weniger abrupt.

Auch beim Waschen von Gesicht, Armen oder Beinen kann bereits kühles bis lauwarmes Wasser erfrischen.

Deodorant oder Antitranspirant – wo liegt der Unterschied?

Beide Begriffe werden häufig gleich verwendet, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Deodorants sollen vor allem unangenehmen Körpergeruch reduzieren oder überdecken.

Antitranspirantien sollen zusätzlich die Schweißmenge in dem behandelten Bereich verringern.

Wer vor allem unter stark feuchten Achseln leidet, benötigt deshalb möglicherweise ein anderes Produkt als jemand, den hauptsächlich der Geruch stört.

Die Produkte sollten entsprechend der Anwendungshinweise verwendet werden.

Antitranspirant richtig anwenden

Antitranspirantien wirken häufig besser, wenn sie auf trockene, unverletzte Haut aufgetragen werden.

Direkt nach einer Achselrasur kann die Haut empfindlich sein. Deshalb die Hinweise des jeweiligen Produktes beachten.

Bei Hautreizungen sollte die Anwendung unterbrochen beziehungsweise das Produkt gewechselt und bei stärkeren Beschwerden medizinischer Rat eingeholt werden.

Die richtige Kleidung macht einen Unterschied

An heißen Tagen entscheidet auch die Kleidung darüber, wie angenehm wir uns fühlen.

Praktisch sind häufig:

  • lockere Schnitte,
  • leichte Stoffe,
  • luftige Kleidung,
  • Kleidung passend zur jeweiligen Aktivität.

Bei Sport können spezielle Funktionsmaterialien sinnvoll sein, weil sie Feuchtigkeit von der Haut wegtransportieren.

Im Alltag empfinden viele Menschen leichte Baumwoll- oder Leinenkleidung als angenehm.

Entscheidend ist letztlich, worin man sich selbst wohlfühlt.

Wechselkleidung kann den Alltag erleichtern

Wer weiß, dass er stark schwitzt, kann an besonders heißen Tagen ein frisches Oberteil mitnehmen.

Das ist vor allem bei längeren Arbeitstagen, Reisen oder Veranstaltungen praktisch.

Auch ein kleines Handtuch oder Taschentücher können unterwegs hilfreich sein.

Das klingt unspektakulär, kann aber deutlich mehr Lebensqualität bringen als der Versuch, Schwitzen vollständig verhindern zu wollen.

Füße nicht vergessen

Schweiß entsteht nicht nur unter den Armen.

Auch die Füße können im Sommer stark schwitzen. Geschlossene Schuhe schaffen zusätzlich ein warmes und feuchtes Milieu.

Hilfreich können sein:

  • Schuhe regelmäßig wechseln,
  • Schuhe vollständig trocknen lassen,
  • passende Socken tragen,
  • Füße täglich waschen,
  • Zehenzwischenräume sorgfältig trocknen.

Bei anhaltenden Hautveränderungen, Juckreiz oder Schuppung sollte abgeklärt werden, ob beispielsweise eine Pilzinfektion vorliegt.

Schwitzen und Trinken

Wer stark schwitzt, verliert Flüssigkeit.

Deshalb ist es an heißen Tagen wichtig, regelmäßig zu trinken und nicht erst dann zum Glas zu greifen, wenn starker Durst entsteht.

Wasser und andere kalorienarme Getränke eignen sich gut für den Alltag.

Wie viel Flüssigkeit benötigt wird, hängt unter anderem von Temperatur, körperlicher Aktivität und der individuellen gesundheitlichen Situation ab.

Bei Erkrankungen, bei denen eine bestimmte Trinkmenge eingehalten werden muss, gelten die ärztlichen Empfehlungen.

Was ist mit Salz und Elektrolyten?

Mit dem Schweiß verliert der Körper neben Wasser auch Elektrolyte.

Bei normaler Alltagsbelastung und einer ausgewogenen Ernährung müssen gesunde Menschen deshalb jedoch nicht automatisch spezielle Elektrolytgetränke verwenden.

Anders kann die Situation bei sehr starkem und lang anhaltendem Schwitzen, intensiver sportlicher Belastung oder bestimmten gesundheitlichen Situationen aussehen.

Dann kann eine individuelle Beratung sinnvoll sein.

Scharfes Essen kann Schweiß auslösen

Wer nach einem scharfen Curry plötzlich Schweißperlen auf der Stirn bemerkt, bildet sich das nicht unbedingt ein.

Scharfe Speisen können bei manchen Menschen das Schwitzen verstärken.

Auch heiße Getränke, Alkohol oder größere Mengen Koffein werden individuell unterschiedlich wahrgenommen.

Wer unter starkem Schwitzen leidet, kann beobachten, ob bestimmte Lebensmittel oder Getränke die Beschwerden regelmäßig verstärken.

Ein genereller Verzicht ist nicht notwendig, wenn keine Probleme bestehen.

Stressschweiß ist ebenfalls real

Nicht nur Wärme bringt uns ins Schwitzen.

Nervosität, Aufregung und Stress können ebenfalls eine deutliche Schweißreaktion auslösen.

Typisch sind beispielsweise feuchte Hände oder Achseln vor einem wichtigen Gespräch, einer Prüfung oder einem öffentlichen Auftritt.

Diese Reaktion wird durch das vegetative Nervensystem beeinflusst und kann auch auftreten, wenn es gar nicht besonders warm ist.

Starkes Schwitzen – wann spricht man von Hyperhidrose?

Manche Menschen schwitzen deutlich stärker, als es zur Regulierung der Körpertemperatur notwendig erscheint.

Medizinisch wird übermäßiges Schwitzen als Hyperhidrose bezeichnet.

Dabei können beispielsweise:

  • Achseln,
  • Hände,
  • Füße,
  • Gesicht oder
  • mehrere Körperbereiche

betroffen sein.

Für Betroffene kann das erheblich belastend sein. Kleidung muss häufig gewechselt werden, Händeschütteln wird unangenehm oder alltägliche Tätigkeiten werden durch ständig feuchte Hände erschwert.

Starkes Schwitzen muss deshalb nicht einfach hingenommen werden.

Wenn Schwitzen plötzlich neu auftritt

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn sich das persönliche Schwitzverhalten deutlich verändert.

Plötzlich auftretendes starkes Schwitzen kann verschiedene Ursachen haben.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Infekte und Fieber,
  • hormonelle Veränderungen,
  • Stoffwechselerkrankungen,
  • bestimmte Medikamente oder
  • andere gesundheitliche Ursachen.

Das bedeutet nicht, dass hinter starkem Schwitzen automatisch eine Erkrankung steckt.

Eine deutliche und unerklärliche Veränderung sollte jedoch medizinisch abgeklärt werden.

Nachtschweiß ernst nehmen

Wer in einer warmen Sommernacht etwas schwitzt, muss sich darüber normalerweise nicht wundern.

Etwas anderes ist ausgeprägter Nachtschweiß, bei dem Kleidung oder Bettwäsche regelmäßig stark durchnässt sind – insbesondere wenn dies unabhängig von der Raumtemperatur auftritt.

Kommt dies wiederholt vor oder treten zusätzlich Beschwerden wie Fieber, ungeklärter Gewichtsverlust oder ausgeprägte Schwäche auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Schwitzen bei Kindern

Kinder schwitzen ebenfalls, wenn ihnen warm ist oder sie körperlich aktiv sind.

Eltern sollten deshalb auf leichte, der Temperatur entsprechende Kleidung und regelmäßige Trinkangebote achten.

Babys und kleine Kinder können ihre Körpertemperatur noch nicht so zuverlässig regulieren wie gesunde Erwachsene und sollten vor Überhitzung besonders geschützt werden.

Sehr warme Kleidung oder dicke Decken sind bei hohen Temperaturen nicht automatisch sinnvoll.

Schwitzen im höheren Alter

Im höheren Lebensalter kann die Temperaturregulation verändert sein. Gleichzeitig kann das Durstgefühl weniger ausgeprägt sein.

Deshalb ist sichtbares Schwitzen nicht der einzige Maßstab dafür, wie stark Hitze einen älteren Menschen belastet.

Auch Schwäche, Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit oder Verwirrtheit können bei großer Hitze Warnzeichen sein und sollten ernst genommen werden.

Was hilft bei starkem Schwitzen im Alltag?

Einige einfache Maßnahmen können den Umgang damit erleichtern:

  • luftige Kleidung wählen,
  • Wechselshirt mitnehmen,
  • regelmäßig duschen,
  • Haut anschließend gut trocknen,
  • Deodorant oder Antitranspirant passend zum Bedarf verwenden,
  • ausreichend trinken,
  • starke körperliche Belastung in die kühleren Tageszeiten verlegen,
  • individuelle Auslöser beobachten.

Das Ziel muss nicht sein, jede Schweißperle zu verhindern.

Schwitzen erfüllt schließlich eine wichtige Funktion.

Sommer-Tipp

Wer häufig stark schwitzt, kann für einige Tage ein kleines Schweiß-Tagebuch führen.

Notiert werden können:

  • Tageszeit,
  • Temperatur,
  • körperliche Aktivität,
  • Essen und Getränke,
  • Stresssituationen,
  • betroffene Körperstellen,
  • Stärke des Schwitzens.

Dadurch lassen sich manchmal persönliche Auslöser erkennen.

Auch bei einem Arztbesuch können solche Beobachtungen hilfreich sein.

Wissenswert

Schwitzen ist kein zuverlässiger Hinweis darauf, wie fit oder unfit jemand ist.

Auch gut trainierte Menschen können stark schwitzen. Tatsächlich kann regelmäßiges Training die Anpassung der körpereigenen Temperaturregulation beeinflussen.

Die sichtbare Schweißmenge allein sagt deshalb wenig über die körperliche Fitness aus.

Wann sollte man zum Arzt?

Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • starkes Schwitzen plötzlich neu auftritt,
  • ohne erkennbare Ursache sehr stark geschwitzt wird,
  • regelmäßig ausgeprägter Nachtschweiß besteht,
  • das Schwitzen den Alltag erheblich beeinträchtigt,
  • zusätzliche Beschwerden auftreten,
  • Medikamente als mögliche Ursache infrage kommen.

Bei akuten Beschwerden wie Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, starken Kreislaufproblemen oder Zeichen einer schweren Überhitzung ist schnelle medizinische Hilfe erforderlich.

Fazit

Schwitzen gehört zum Sommer – und erfüllt eine lebenswichtige Aufgabe. Der Körper nutzt die Verdunstung von Schweiß, um überschüssige Wärme abzugeben und seine Temperatur zu regulieren.

Leichte Kleidung, regelmäßige Körperpflege, ausreichend Flüssigkeit und ein sinnvoll eingesetztes Deodorant oder Antitranspirant können den Alltag angenehmer machen.

Niemand muss sich jedoch mit außergewöhnlich starkem Schwitzen einfach abfinden.

Verändert sich das Schwitzverhalten plötzlich, tritt ausgeprägter Nachtschweiß auf oder wird das Schwitzen zur starken Belastung, sollte nach der Ursache gesucht werden.

Denn Schwitzen ist grundsätzlich gesund – entscheidend ist, wenn sich das persönliche normale Maß deutlich verändert.

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