Grillabend, Picknick, Freibad oder Einkauf nach Feierabend: Im Sommer verbringen Lebensmittel schnell mehr Zeit außerhalb des Kühlschranks als sonst. Gerade leicht verderbliche Produkte können bei Wärme zum idealen Nährboden für krankmachende Keime werden. Mit einer geschlossenen Kühlkette, sauberer Zubereitung und einigen einfachen Regeln lassen sich Lebensmittel auch an heißen Tagen sicher genießen.
Sommerzeit ist Genusszeit: Kartoffelsalat beim Grillen, frisches Obst am Badesee, ein Picknick im Park oder ein Eis auf der Terrasse gehören für viele einfach dazu.
Doch hohe Temperaturen haben auch eine weniger angenehme Seite. Werden empfindliche Lebensmittel nicht ausreichend gekühlt, können sich bestimmte Mikroorganismen schneller vermehren. Das Risiko für Lebensmittelinfektionen steigt insbesondere dann, wenn Kühlketten unterbrochen oder rohe und verzehrfertige Lebensmittel nicht sauber voneinander getrennt werden.
Deshalb lohnt es sich im Sommer, schon beim Einkauf an die richtige Lagerung zu denken.
Welche Lebensmittel sind bei Hitze besonders empfindlich?
Besondere Aufmerksamkeit benötigen leicht verderbliche Lebensmittel.
Dazu zählen unter anderem:
- rohes Fleisch und Geflügel
- Hackfleisch
- Fisch und Meeresfrüchte
- Milchprodukte
- Eier und Speisen mit rohem Ei
- Feinkostsalate
- Desserts und Cremes
- geschnittenes Obst
- geschnittene Melonen
- vorbereitete Salate
Auch aufgeschnittenes Obst und Gemüse sollte nicht unnötig lange warm stehen. Das BfR empfiehlt insbesondere geschnittene Salate und Obststücke wie Melone gekühlt aufzubewahren.
Schon beim Einkaufen beginnt die Kühlkette
An heißen Tagen ist die Reihenfolge beim Einkauf besonders wichtig.
Produkte aus Kühl- und Tiefkühltheken sollten möglichst erst am Ende des Einkaufs in den Wagen gelegt werden.
Danach geht es möglichst direkt nach Hause.
Für längere Wege empfiehlt sich eine isolierte Kühltasche oder Kühlbox mit Kühlakkus. Das gilt insbesondere für Fleisch, Fisch, Milchprodukte und andere leicht verderbliche Lebensmittel.
Sommer-Tipp
Wer seine Einkaufszeit flexibel wählen kann, erledigt größere Lebensmitteleinkäufe an sehr heißen Tagen besser am frühen Morgen oder am Abend.
Lebensmittel nicht im heißen Auto vergessen
Der kurze Zwischenstopp auf dem Heimweg kann im Hochsommer problematisch werden.
Ein abgestelltes Fahrzeug heizt sich in der Sonne stark auf. Kühlpflichtige Lebensmittel sollten deshalb nicht längere Zeit im Auto liegen bleiben.
Besonders bei Fleisch, Fisch und Tiefkühlprodukten gilt:
Einkauf – Transport – Kühlschrank.
Je kürzer die Unterbrechung der Kühlkette, desto besser.
Wie kalt sollte der Kühlschrank sein?
Das BfR empfiehlt für Privathaushalte eine Kühlschranktemperatur von höchstens 7 °C, besser unter 5 °C. Die Temperatur sollte regelmäßig kontrolliert werden.
Im Sommer ist außerdem wichtig:
- Kühlschranktür nicht unnötig lange offen lassen,
- Kühlschrank nicht überfüllen,
- Lebensmittel nach dem Einkauf schnell einräumen,
- leicht verderbliche Lebensmittel entsprechend den Angaben auf der Verpackung lagern.
Ein kleines Kühlschrankthermometer schafft schnell Klarheit.
Grillfleisch: Roh und gegart strikt trennen
Beim Grillen besteht nicht nur wegen hoher Außentemperaturen ein Risiko.
Auf rohem Fleisch, Geflügel oder Fisch können sich Krankheitserreger befinden. Über Hände, Messer, Schneidebretter, Marinaden oder Grillzangen können diese auf bereits verzehrfertige Lebensmittel gelangen. Dies wird als Kreuzkontamination bezeichnet.
Deshalb:
- rohes Fleisch getrennt aufbewahren,
- separate Teller für rohes und gegartes Grillgut benutzen,
- unterschiedliche Grillzangen verwenden,
- Hände nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich waschen,
- Arbeitsflächen und Schneidebretter sorgfältig reinigen.
Das fertig gegrillte Steak gehört also nicht zurück auf den Teller, auf dem zuvor das rohe Fleisch lag.
Fleisch und Geflügel vollständig durchgaren
Ausreichendes Erhitzen kann krankmachende Keime abtöten.
Besonders Geflügel sollte vollständig durchgegart werden. Das BZfE nennt als Orientierung eine Kerntemperatur von mindestens 72 °C für zwei Minuten.
Gleichzeitig sollte Grillgut nicht unnötig verkohlen. Stark verbrannte Stellen besser vermeiden.
Kartoffelsalat, Mayonnaise & Co.
Salate gehören zum Grillabend – doch auch hier kommt es auf die Zutaten an.
Besondere Vorsicht ist bei selbst gemachter Mayonnaise und anderen Speisen mit rohen Eiern angebracht. Das BZfE empfiehlt im Sommer, auf rohe Eier in solchen Speisen möglichst zu verzichten oder eine durchgängige Kühlung sicherzustellen.
Das betrifft beispielsweise:
- selbst gemachte Mayonnaise,
- bestimmte Cremes,
- Tiramisu mit rohem Ei,
- manche Desserts.
Industriell hergestellte Mayonnaise wird in der Regel anders produziert – trotzdem müssen die jeweiligen Lagerungshinweise auf der Verpackung beachtet werden.
Geschnittene Melone – überraschend empfindlich
Eine kalte Wassermelone gehört für viele zum Sommer.
Was häufig vergessen wird: Sobald eine Melone angeschnitten wurde, verändert sich die Situation. Geschnittene Melonenstücke gehören in den Kühlschrank und sollten nicht stundenlang auf dem Gartentisch stehen. Das BfR zählt geschnittenes Obst ausdrücklich zu den Lebensmitteln, die gekühlt werden sollten.
Dasselbe gilt für vorbereitete Obstsalate.
Picknick und Badesee: Die Kühltasche wird zum wichtigsten Begleiter
Beim Picknick gibt es häufig keinen Kühlschrank in der Nähe.
Eine Kühltasche mit ausreichend Kühlakkus ist deshalb besonders praktisch.
Empfindliche Lebensmittel möglichst erst kurz vor dem Essen herausnehmen und anschließend nicht über längere Zeit in der Sonne stehen lassen. Das BfR empfiehlt auch bei Picknicks, Gartenfesten und Grillveranstaltungen eine ausreichende Kühlung leicht verderblicher Speisen.
Gut geeignet für unterwegs sind außerdem Lebensmittel, die weniger kühlkritisch sind, beispielsweise:
- ganze Äpfel
- ganze Bananen
- Brot und Brötchen
- Nüsse
- ungeschnittenes Gemüse
So lässt sich der Inhalt der Kühltasche auf die wirklich empfindlichen Lebensmittel konzentrieren.
Vorsicht beim Sommerbuffet
Beim Gartenfest stehen Salate, Soßen und Desserts schnell mehrere Stunden auf dem Tisch.
Besser ist es, zunächst kleinere Portionen anzubieten und bei Bedarf aus dem Kühlschrank nachzufüllen.
So bleibt nicht die gesamte Menge unnötig lange in der Wärme.
Speisen, die gekühlt werden müssen, sollten möglichst bis kurz vor dem Verzehr kalt gehalten werden.
Reste vom Grillabend richtig aufbewahren
Auch nach dem Essen spielt Zeit eine Rolle.
Reste sollten nicht den ganzen Abend auf dem Tisch stehen bleiben.
Das BfR empfiehlt, Essensreste innerhalb weniger Stunden auf unter 7 °C abzukühlen und anschließend im Kühlschrank aufzubewahren. Größere Mengen können dafür auf mehrere flache Behälter verteilt werden, damit sie schneller auskühlen. Gekühlte Reste sollten innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden.
Kann ich verdorbene Lebensmittel immer erkennen?
Leider nein.
Schimmel, unangenehmer Geruch oder eine veränderte Konsistenz können deutliche Hinweise auf Verderb sein.
Krankmachende Keime müssen Lebensmittel jedoch nicht zwangsläufig sichtbar verändern.
Deshalb gilt:
Geruch und Aussehen allein sind kein zuverlässiger Sicherheitscheck.
Wurde ein empfindliches Lebensmittel über längere Zeit deutlich zu warm gelagert und bestehen Zweifel, sollte man kein unnötiges Risiko eingehen.
Für wen sind Lebensmittelinfektionen besonders problematisch?
Lebensmittelinfektionen können grundsätzlich jeden treffen.
Besonders empfindlich können jedoch unter anderem kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem reagieren. Bei diesen Personengruppen empfiehlt das BfR besondere Vorsicht mit rohen tierischen Lebensmitteln.
Für Familienfeiern und Sommerfeste lohnt es sich deshalb besonders, bei Kühlung und Küchenhygiene sorgfältig zu sein.
Was sind typische Beschwerden einer Lebensmittelinfektion?
Je nach Erreger können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Bauchschmerzen oder -krämpfe
- teilweise Fieber
Das BfR nennt insbesondere Übelkeit, Durchfall und Erbrechen als typische Folgen lebensmittelbedingter Infektionen.
Starke oder anhaltende Beschwerden, hohes Fieber, Blut im Stuhl, Kreislaufprobleme oder Zeichen einer Austrocknung sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei Säuglingen, kleinen Kindern, älteren oder gesundheitlich geschwächten Menschen sollte die Schwelle zur ärztlichen Beratung niedriger sein.
Die 7 Sommerregeln für sichere Lebensmittel
1. Kühlprodukte zuletzt einkaufen.
2. Kühltasche und Kühlakkus für empfindliche Lebensmittel verwenden.
3. Nach dem Einkauf möglichst direkt nach Hause fahren.
4. Rohes Fleisch und verzehrfertige Speisen konsequent trennen.
5. Hände, Messer, Bretter und Grillbesteck sauber halten.
6. Salate, Desserts und andere empfindliche Speisen nicht lange warm stehen lassen.
7. Reste schnell abkühlen und im Kühlschrank lagern.
Diese einfachen Regeln decken bereits einen großen Teil der wichtigsten Empfehlungen von BfR und BZfE für die warme Jahreszeit ab.
Sommer-Tipp
Legen Sie im Sommer dauerhaft zwei Kühlakkus ins Gefrierfach.
So ist die Kühltasche jederzeit einsatzbereit – für den Wocheneinkauf ebenso wie für Grillabend, Picknick oder Badesee.
Eine kleine Gewohnheit, die bei hohen Temperaturen einen großen Unterschied machen kann.
Wissenswert
Kälte tötet viele Krankheitserreger nicht ab – sie verlangsamt vor allem deren Vermehrung.
Deshalb ersetzt Kühlung weder saubere Hände noch hygienische Küchenutensilien oder ausreichendes Durchgaren.
Sichere Sommerküche bedeutet immer eine Kombination aus Kühlen, Trennen, Sauberhalten und richtigem Erhitzen.
Fazit
Sommerlicher Genuss und Lebensmittelsicherheit passen hervorragend zusammen.
Entscheidend ist, leicht verderbliche Lebensmittel nicht unnötig lange der Wärme auszusetzen. Eine Kühltasche beim Einkauf, getrennte Utensilien beim Grillen und das schnelle Kühlen von Resten lassen sich problemlos in den Alltag integrieren.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, vorbereitete Salate, Desserts und geschnittenes Obst.
Wer die Kühlkette im Blick behält und hygienisch arbeitet, kann Picknick, Grillabend und Sommerbuffet deutlich entspannter genießen.
Denn im Hochsommer gehört nicht nur die Sonnencreme zur Grundausstattung – sondern auch eine gut gepackte Kühltasche.